Schülerinnen und Schüler setzen Zeichen für mentale Gesundheit

v.li.: Gianluca Maione (Robert-Enke-Stiftung), Sharane Respondek und Jonathan Schwering (Schulsozialarbeiter Realschule Wolbeck), Eva Lessin (Schulpsychologin), Markus Tenkhoff (Get People), Dr. Elisa Franz (Rhetoriktrainerin), Christoph Dammermann (Geschäftsführer Stiftung Westfalen-Initiative) und die Schülermoderatorinnen Lena Westphal, Lora Walhof und Helen Alichmann.

Schülerinnen und Schüler setzen Zeichen für mentale Gesundheit

Stiftung Westfalen-Initiative unterstützt ersten Schüler-Präventionskongress in Münster

Münster, 19. Mai 2026. Mehr als 200 Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8 kamen heute zum ersten Schüler-Präventionskongress ins Cineplex Münster. Im thematischen Mittelpunkt standen Depression, Einsamkeit, Enttabuisierung und Resilienz – und die Frage, was junge Menschen tun können, wenn es ihnen selbst oder anderen nicht gut geht.
Das Besondere: Die Jugendlichen waren nicht nur Publikum, sondern gestalteten den Kongress aktiv mit. Sie moderierten, führten Interviews mit Fachkräften aus Medizin, Schulpsychologie, Sozialarbeit und Beratung und unterstützten hinter den Kulissen an Kamera und Ton. Betroffene und Fachleute gaben persönliche Einblicke, erklärten Warnsignale und zeigten konkrete Hilfsangebote auf.
Entwickelt und umgesetzt wurde das Veranstaltungsformat von Markus Tenkhoff (Agentur Get People). Die Stiftung Westfalen-Initiative für Eigenverantwortung und Gemeinwohl unterstützte den Kongress als Hauptförderin.
„Wir als Stiftung unterstützen Menschen, die Verantwortung übernehmen – für sich und für andere“, sagte Christoph Dammermann, Geschäftsführer der Stiftung Westfalen-Initiative. „Selbstfürsorge ist Teil von Eigenverantwortung. Wer sich bei Überforderung Unterstützung sucht, zeigt keine Schwäche, sondern Verantwortungsbewusstsein.“
 
„Viele kennen Depression aus dem eigenen Umfeld – deshalb sollten wir offen darüber reden“, kommentiert Schülermoderatorin Helen. „Wir sind ungefähr im gleichen Alter wie die anderen Schüler. Dadurch können wir auf Augenhöhe sprechen“, ergänzt Schülermoderatorin Lena.
 
Die Beiträge der Fachkräfte beleuchteten das vielschichtige Thema mentaler Gesundheit. Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann, Ärztlicher Direktor der LWL-Universitätsklinik Hamm, erklärte, dass verschiedene Therapieformen und Angebote sich hilfreich ergänzen können. Medikation etwa könne ein „Kickstart“ für eine erfolgreiche Psychotherapie sein. Dr. Anja Langness von der Bertelsmann Stiftung thematisierte Einsamkeit nach der Corona-Zeit und die ambivalente Rolle von Social Media: Digitale Kontakte könnten Einsamkeit verstärken, aber auch Brücken zu realen Begegnungen werden, etwa als Einstieg ins Vereinsleben.
 
Lilli Berthold, stellv. Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, machte deutlich, dass psychische Belastungen unter Jugendlichen kein individuelles Randthema seien, sondern auch gesellschaftliche Ursachen hätten. Wichtig seien unter anderem mehr Aufklärung im Unterricht und eine bessere schulpsychologische Versorgung.
 
In einem Filmbeitrag aus „Grau ist keine Farbe“ von Alexander Spöri wurde mit dem Vorurteil aufgeräumt, hinter Depression steckten Faulheit oder fehlender Wille. Gerade weil das Thema Suizid sensibel sei, so Spöri, dürfe es nicht verschwiegen werden. Gespräche aus Angst zu meiden, Betroffene könnten sich etwas antun, sei der falsche Schluss – Schweigen könne Betroffene noch weiter isolieren. Für die Robert-Enke-Stiftung beantwortete Gianluca Maione Fragen der Jugendlichen und stellte den VR-Film „Impression Depression“ vor. Er soll Angehörigen und Außenstehenden einen Eindruck davon vermitteln, wie sich eine Depression anfühlen kann.
 
In der Dialogpause lernten die Schülerinnen und Schüler Anlaufstellen und Berufsfelder rund um psychische Gesundheit, Pflege, Schulsozialarbeit und Beratung kennen. Und bei einer praktischen Übung mit Rhetoriktrainerin, Dr. Elisa Franz, lernten die Jugendlichen, wie sie sich gegen verbale Attacken von Mobbern wappnen können.
 
Schulpsychologische und sozialpädagogische Fachkräfte machten den Jugendlichen zum Abschluss Mut, Veränderungen bei sich selbst oder anderen ernst zu nehmen: Rückzug, plötzlich schlechtere Noten, Substanzkonsum oder auffällige Verhaltensänderungen können Hinweise sein, über die man ins Gespräch kommen sollte. Schon ein ehrliches Nachfragen könne helfen. Zwei Betroffene berichteten, dass auch Selbsthilfegruppen in der oft langen Wartezeit auf einen Therapieplatz hilfreich sein können. Man solle nicht zögern, auch diese Angebote zu nutzen.
 
Neben der Stiftung Westfalen-Initiative als Hauptförderin waren weitere Förder- und Kompetenzpartner unter anderem die Bertelsmann Stiftung, die Robert-Enke-Stiftung und der LWL. Medienpartner war die Apotheken Umschau. Als Partnerschulen wirkten die Realschule Wolbeck und das Hansa Berufskolleg Münster mit.
 
Ein Highlight-Video gibt es hier: https://youtu.be/aHcUfYUf4X4?is=t7rhsIdjHlAarxrD
 
Die Westfälischen Nachrichten haben ihren Bericht zur Unterstützung der Aufklärungsarbeit freundlicherweise freigestellt: https://www.wn.de/muenster/eine-volkskrankheit-soll-ihr-stigma-verlieren-3555744
 
Die Stiftung will es weiteren Schulen in Westfalen ermöglichen, einen SchülerZukunftsGipfel bei sich durchzuführen, ob zum Thema Nachhaltigkeit, Berufsorientierung, Gründung, psychische Gesundheitsprävention oder andere Zukunftsthemen. Bei Interesse melden Sie sich gerne beim zuständigen Referenten Lars Kiesling.