Jugendliche diskutieren über Subsidiarität, Freiheit und Verantwortung
Jugendliche diskutieren über Subsidiarität, Freiheit und Verantwortung
young leaders Jugend-ZukunftsForum in Kooperation mit der Stiftung Westfalen-Initiative
Dortmund, 29. April bis 2. Mai 2026. 40 Jugendliche kamen beim young leaders Jugend-ZukunftsForum in Dortmund zusammen und diskutierten vier Tage lang über Subsidiarität. Eingeladen waren Jugendliche, die sich sozial, kirchlich, politisch oder in anderer Form engagieren. Die young leaders GmbH veranstaltete das Forum unter dem Motto „Freiheit denken – Verantwortung leben – Zukunft gestalten“ in Kooperation mit der Stiftung Westfalen-Initiative für Eigenverantwortung und Gemeinwohl.
Subsidiarität verständlich machen
Bei der inhaltlichen Einführung rückte Geschäftsführer, Christoph Dammermann, Subsidiarität in den Fokus: Was Menschen selbst, in Familie, Schule, Verein, Kommune oder Region lösen können, soll ihnen nicht von einer höheren Ebene abgenommen werden. Unterstützung sei wichtig, soll Menschen aber befähigen, Verantwortung selbst zu übernehmen. Übergeordnete Verwaltungsebenen sollen nur bei Überforderung helfen und sich schnell wieder zurückziehen. Aufgaben sollten dem Einzelnen möglichst nie dauerhaft abgenommen werden.
Anschließend ordnete Prof. Dr. Stefan Ulrich Pieper das Subsidiaritätsprinzip juristisch ein. Anhand von Beispielen machte er deutlich: Das Prinzip sei zwar explizit in den europäischen Verträgen verankert und indirekt über die föderale Struktur auch in der Verfassung der Bundesrepublik angelegt, finde in der politischen Realität jedoch kaum Anwendung. Selbst im Kulturbereich seien Subsidiaritätsprinzip und Föderalismus praktisch ausgehebelt, da es durch die Einführung der Goethe-Institute einen Bundeskulturminister gebe, der den Ministern der Länder vorstehe.
Eigenverantwortung als Zukunftskompetenz
Ein weiterer Impuls kam von Sigrid Dispert, Gründerin der Memogic GmbH und Leiterin von INNOVATION RADICALS in Dortmund. Sie sprach über Eigenverantwortung, Risikobereitschaft und Innovationsoffenheit als Haltung der Unternehmerinnen und Unternehmer von morgen. Fehler und Unsicherheit gehörten dazu; entscheidend sei, daraus zu lernen und weiterzumachen.
Im anschließenden Future-Lab arbeiteten die Teilnehmenden an der Frage: „Braucht es eine Renaissance der Subsidiarität?“ In Gruppen entwickelten sie Ideen, wie Eigeninitiative, lokale Verantwortung und gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt werden können. Ergänzend beschäftigten sie sich beim Planspiel Europa mit der Frage, ob ein europaweiter einheitlicher Schulabschluss eingeführt werden soll. Dabei erlebte sie, wie anspruchsvoll demokratische Entscheidungsprozesse sind. Gerade die subsidiäre Verantwortungsverteilung zeigte: Oftmals gibt es für beide Möglichkeiten gute Gründe – Aufgaben auf höherer Ebene anzusiedeln oder Entscheidungen vor Ort zu belassen.
Köpersprache-, Rhetorik- und Medientraining
Neben inhaltlichen Impulsen bot das Jugend-ZukunftsForum auch praktische Übungen zum Erwerb wichtiger „soft skills“. Im Körpersprachetraining mit Tobias Happe ging es um Auftreten, Haltung, Präsenz und Wirkung. Im Rhetoriktraining mit Klaus Schmidt übten sie, Gedanken klar zu formulieren, überzeugend zu sprechen und fair zu diskutieren.
Zum Abschluss sprach Carsten Knop, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im F.A.Z.-Herausgeber-Talk mit den Jugendlichen. Themen waren Journalismus, öffentliche Debatten, Verantwortung in den Medien und Meinungsbildung. Hier wurde deutlich: Wer Gesellschaft mitgestalten will, braucht Urteilsfähigkeit. Gerade bei schnell verfügbaren Informationen und zugespitzten Debatten kommt es darauf an, Quellen einzuordnen, Argumente zu prüfen und die eigene Stimme verantwortungsvoll einzubringen.
Die Ergebnisse und ihre wichtigsten Eindrücke hielten die teilnehmenden Jugendlichen im young leaders-Podcast fest.