375 Jahre Westfälischer Frieden - Ein Rückblick

Die Bedeutung der Erinnerungsarbeit, das Zuhören und das Verzeihen als Voraussetzungen für Friedensgespräche und bei allen Unterschieden trotzdem den Blick auf das Wesentliche uns Verbindende nicht zu verlieren: die Menschlichkeit – das sind Kernbotschaften der Veranstaltung zum 375-jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens am 24. Oktober 2023.

Diese für gelingende Friedensarbeit wesentlichen Bedingungen klingen – trotz der sehr differenzierten Betrachtungsweise – in den verschiedenen Beiträgen der internationalen Gesprächspartner und -partnerinnen immer wieder an. Im Mosaik der breitgefächerten Wortmeldungen ergeben sie zusammen – über die einzelnen Veranstaltungen verteilt – in einem Rückblick einen Rahmen für den Tag.

Die Bedeutung der Erinnerungsarbeit stand schon am Vormittag im Zentrum der Betrachtung: bei der Übergabe des Films „Pax Westphalica“ an die Friedensstädte Münster und Osnabrück durch den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Westfalen-Initiative, Dr. Hans Moormann. Der Kurzfilm sei als Beitrag zu dieser wichtigen Aufgabe gedacht: „Geschichte ist keine Holschuld der Jungen, sie ist eine Bringschuld der Alten“, so Moormann, „Und diese Geschichte ist bedeutsam genug, dass sie noch einmal aktuell aufbereitet erzählt wird und dann nicht nur hier im Rathaus gesehen wird, sondern auch weltweit auf Youtube und allen Kanälen.“

Zur Mittagszeit – beim „Let’s Talk: Peace Beyond Borders“ – gab es einen ersten Austausch der Perspektiven von Vertretern und Vertreterinnen verschiedener globaler Regionen. Elmar Theveßen brachte diesen Teil des Tages auf einen Begriff: „Listen!“ (Hört einander zu!). Die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Sichtweise des Anderen, die das Hören stärker macht als das Sprechen, zeigte sich als eine Grundvoraussetzung für Friedensgespräche.

Bei der Friedensvesper in der Apostelkirche am Nachmittag wurde ein zweiter Grundpfeiler der Möglichkeit des Friedens erkennbar. Denn wie Dr. Michael Utsch in seiner Predigt sagte: „Mensch sein, heißt sich schuldig zu machen – aneinander schuldig werden.“ Die Vergebung und die Versöhnung sind auf dem Weg des Friedensdialogs eine weitere Voraussetzung für das gemeinsame Bemühen – so schwer dies, wie jeder weiß, in der Realität auch immer wieder ist.

Beim abschließenden „Peace Summit“ gab es eine differenzierte Diskussion, bei der ein Perspektivwechsel angestrebt worden ist, um auch hier die Möglichkeit zu bieten, die Sichtweisen des sog. „Globalen Südens“ nachzuvollziehen. Eine Zusammenfassung ist in der Kürze nicht möglich, dennoch war auch hier eine weitere Kernbotschaft zu hören.

Bei allen Unterschieden in der Betrachtungsweise globaler Konflikte fasste Leymah R. Gbowee – fast schon zu Beginn der Gesprächsrunde – auf die Frage zu diesen Unterschieden und den Friedensmöglichkeiten in unterschiedlichen Regionen der Welt zusammen, was bei allen Bemühungen für den Frieden das Wichtigste bleibt:

 

“Frieden hat keine Geographie. Beim Frieden geht es um (die Menschen-)Würde. Und würdevoll behandelt werden, fühlt sich überall gleich an, egal wo man ist.

Es gibt keine südliche Art des Leids. Es gibt keine nördliche Art des Leids. Es gibt nur (menschliches) Leid.

Worauf wir uns alle besinnen müssen, ist unsere universelle Menschlichkeit!“

 

(„Peace has no geography. Peace is about dignity. And dignity feels the same wherever you are.

There is no global south kind of suffering, there is no global north kind of suffering.

What we need to focus on is our universal humanity!”)