WestfalenBeweger - Die Preisträger von 2014/2015

1. Preis 2015 (10.000 €):
Projektträger SJC Hövelriege e.V.
Projekt: Flüchtlingshilfe Hövelriege

Im Jahr 2015 ging der Hauptpreis des WestfalenBeweger Wettbewerbs an den Sport- und Jugendclub Hövelriege e.V. (SJC) in Hövelhof. Der Fußballverein im Norden des Kreises Paderborn in NRW verstand Zuwanderungen schon früh als Bereicherung. Ausgehend von diesem Ansatz begeistert der Verein seitdem Jugendliche und Ehrenamtliche für die Integration von Geflüchteten. Neuankömmlinge finden bei dem SJC Hövelriege die Möglichkeiten, neben der Nutzung der Sportanlagen und Freizeitaktivitäten, Deutschkurse, juristische Beratung, traumapädagogische Hilfe, Unterstützung beim Einkauf und bei anderen alltäglichen Anforderungen des Lebens zu erhalten

Die Zielsetzung des Vereins liegt in der Vernetzung mit anderen Hilfsorganisationen, um das Bewusstsein bei jungen Menschen für die Hilfsbedürftigkeit von Flüchtlingen zu wecken und diese bei der Integration zu unterstützen. Langfristig möchte der Verein durch sein Engagement die Lebenssituation der Flüchtlinge verbessern, aber auch die sozialen Kompetenzen auf Seiten der Vereinsmitglieder erweitern. Darüber hinaus trägt das Ehrenamt zu einem Prozess der kulturellen Verständigung bei, der das Klima in der Bevölkerung und den Verein bereichert. Beispielsweise zählt die von Ehrenamtlichen organisierte alljährliche Weihnachtsfeier zu den kulinarischen und sozialen Höhepunkten des Vereins. Diese schon zwei Jahrzehnte anhaltende ehrenamtliche Bemühung überzeugte die Jury des WestfalenBewegers das Projekt 2015 als Siegerprojekt auszuzeichnen.

Seitdem realisiert der Verein weiterhin mit großem Engagement kleine und größere Projekte, um den Fußballverein zu einem nachhaltigen Ort der Kulturarbeit zu etablieren. Das Siegergeld des WestfalenBewegers ermöglichte im Jahr 2015 die Realisierung vieler weiterführender Projekte. Der wöchentliche Freitagsfußball verdeutlicht beispielsweise fortlaufend, dass Integrationsarbeit erfolgreich mit Sport verbunden werden kann. Auch ein Sprachkurs für Frauen sowie die ehrenamtliche Betreuung ihrer Kinder in der Kinderkulturgruppe zeigen das anhaltende Engagement des Vereins zur kulturellen Verständigung und vielversprechende Hilfe zur Selbsthilfe auf. Im Jahr 2021/2022 entsteht das Nachfolgeprojekt „Interkulturelles Zentrum Hövelriege (IZH)“, welches vom Land NRW für das Programm „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung“ ausgewählt wurde. In diesem Zuge konnten zwei Teilzeitstellen im Verein eingerichtet werden, die die lokale Kulturarbeit des Vereins weiter in die Zukunft tragen.

2. Preis 2015 (5.000 €):
Projekträger: Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen e.V.
Come Together-Projekt: Erstes Engagement-Speed-Dating in Gelsenkirchen

Oftmals gestaltete sich der Prozess der Vermittlung von bürgerschaftlichem Engagement über eine Agentur in der Vergangenheit als umständlich und langwierig. An dieser Stelle hatte die Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen e.V. die innovative Idee, ehrenamtlichen Tätigkeiten anhand einer mobilen Anlaufstelle in der Fußgängerzone zu vermitteln. Der zweite Preis des WestfalenBewegers ging 2015 daher an Karina Wrona und die Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen e.V., die in den Sommermonaten 2015 und folgend auch 2016/2017 mit ihrem Konzept erfolgreich auf das Ehrenamt aufmerksam machten.

Konkret fand an einem Tag im Sommer jeweils ein Speed-Dating für Ehrenamt statt, bei dem Interessierte die Einsatzstellen aus den unterschiedlichsten Ehrenamtsbereichen durch kurze Gespräche kennen lernten. Mit Hilfe des Preisgeldes konnten die Werbemaßnahmen, die Moderation und die Bewirtung der Teilnehmenden im Jahr 2016 gestemmt werden. Das Engagement-Speed-Dating wurde dabei von einem erfahrenen Moderator begleitet, auch um auch künstlerischen Darbietungen Raum zu geben. Durch den Eventcharakter der Aktion erreichte die Aktion viele Menschen, die bisher keine Kenntnis von den Möglichkeiten hatten sich in diesem Bereich ehrenamtlich zu engagieren.

Aufgrund des positiven Feedbacks im Pilot 2015 wurde das Projekt auch im folgenden Jahr wiederholt. Dabei wurde das Schwerpunktthema der Inklusion angefügt und mittels des bereits bewährten Konzepts an zentralen Orten innerhalb Gelsenkirchens vermittelt. Die Vermittlung des Themas Inklusion stellte laut Karina Wrona eine Herausforderung dar, da es in der allgemeinen Bürgerschaft oft noch Berührungsängste und Vorbehalte gegenüber Inklusion und Ehrenamt gibt. Genau aus diesem Grund wollte die Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen e.V. das Themenfeld mit den Haupt- und Ehrenamtlichen der sozialen Träger auf der Straße sichtbar machen. Dank gutem Wetter und einer sehr guten Zusammenarbeit mit den sozialen Trägern wurden die Veranstaltungen mit großem Interesse wahrgenommen und konnten erfolgreich umgesetzt werden.

2. Preis 2015 (5.000 €):
Projektträger: 50 Ehrenamtliche
Projekt: Aktion Flüchtlingshilfe in Schieder-Schwalenberg
Links: 
www.der-tisch.info und Aktion Miteinander

Ein weiterer zweiter Preis ging im Jahr 2015 an die ehrenamtliche Aktion „Flüchtlingshilfe in Schieder-Schwalenberg“. Die Initiative „Der Tisch in Schieder-Schwalenberg e.V.“ machte ab 2014 Erfahrungen mit der ständig steigenden Flüchtlingszahl in Schieder-Schwalenberg und stellte fest, dass vor allem im Flüchtlingsheim Lothe die Zustände immer prekärer wurden. Besonders die Kommunen waren zu diesem Zeitpunkt mit der Versorgung der Asylbewerbenden überlastet. Umso beachtlicher ist der Zusammenschluss von über 50 Ehrenamtlichen, die sich zu der „Flüchtlingshilfe in Schieder-Schwalenberg“ zusammenschlossen und den Asylsuchenden im Jahr 2014/2015 halfen. Ein Blick nach Schieder-Schwalenberg zeigt, wie sich vorbildhaftes ehrenamtliches Engagement fortwährend organisiert.

Am 12. November 2014 fanden sich um die 30 Personen aus allen Kirchengemeinden und Sozialverbänden, Vertreter der Stadt, des Kreises, der Volkshochschule und in beratender Funktion Herr Bökemeier, der Flüchtlingsbeauftragte der Lippischen Landeskirche, zu einer Auftaktveranstaltung zusammen, um die Lage zu sondieren und eine sinnvolle ehrenamtliche Unterstützung zu initiieren. Im Übergangsheim in Lothe befanden sich im Jahr 2014 ca. 35 junge Männer. In den ehemaligen Räumen des Jugendzentrums Church in der katholischen Kirche in Schwalenberg waren drei Familien untergebracht, eine weitere Familie befand sich in einem renovierten Übergangsheim in Schwalenberg. Zudem bewohnte eine Familie aus dem Kosovo ein an die alte Turnhalle in Schieder angrenzendes Gebäude, weiter waren einzelne Familien in Privatwohnungen untergebracht. Bei der ersten Kontaktaufnahme der Ehrenamtlichen mit den Menschen in den Heimen wurde deutlich, wie dringend Hilfe in den unterschiedlichsten Bereichen benötigt wird und wie groß die Hilfsbereitschaft der Freiwilligen in Schieder-Schwalenberg war.

So organisierten sich kurzum über 50 Ehrenamtliche in drei Gruppen zur Kontaktaufnahme, zur Erarbeitung eines Sprachangebotes und der Versorgung von Kleidung und Lebensmittel. Dadurch konnten Kleiderspenden, Sprachkurse und Rechtsberatungen organisiert, aber auch Fahrdienste und ein Sozialticket für Schieder-Schwalenberg eingeführt werden. Darüber hinaus renovierten die Ehrenamtliche zusammen mit den Flüchtlingen das Übergangsheim in Lothe. Auch an Weihnachten wurden die Flüchtlinge von den Ehrenamtlichen nicht vergessen – alle erhielten durch den Tisch in Schieder-Schwalenberg e. V Geschenktüten.

Ab März 2015 wurde mit der Unterstützung und Rechtsberatung durch den Caritasverband Detmold ein bis heute existierendes Beratungsbüro für Flüchtlinge und Asylbewerbende eingerichtet. Im Zuge dessen wurden Fortbildungsveranstaltungen für die Ehrenamtlichen organisiert, auch um über die rechtliche Situation der Flüchtlinge zu informieren. Weiter wurde im Sinne einer Begrüßungs- und Willkommenskultur eine mehrsprachige „Begrüßungsmappe“ zu Fragen der Alltagsbewältigung entwickelt. Der Kontakt und Austausch zwischen Einheimischen und Flüchtlingen wird fortlaufend durch die eigens eingerichtete Nähstube und Sprachcafés gefördert.

Besonders der fehlende Sozialraum, die Erstattung von Fahrkosten und der Bedarf nach neuen Sozialwohnungen, stellte die Initiative im Jahr 2015 vor große Herausforderungen. Bis dahin waren alle entstandenen Kosten von den Helfenden selbst und durch Spenden gedeckt worden. Umso dringender konnte die finanzielle Unterstützung in Form des Preisgeldes aus dem WestfalenBeweger Wettbewerb genutzt werden, um mit der Flüchtlingshilfe Schieder-Schwalenberg fortlaufende Hilfe zu gewährleisten.

Hilfe zur Selbsthilfe im Sinne der Subsidiarität wird auch im Jahr 2022 noch groß geschrieben in Schieder-Schwalenberg. Nach der Initiative Der Tisch in Schieder-Schwalenberg e. V. und der Flüchtlingshilfe Schieder-Schwalenberg bildete sich die Aktion Miteinander. Eine neue, innovative Idee dieser Initiative ist der Einsatz von Fahrradrikschas, mittels deren Ehrenamtliche, Senioren und Menschen mit Handicap auf Wunsch durch die Ortschaften befördern, um ihre Lebensqualität zu steigern. Besonders der Gemeinsinn und das Bewusstsein für Inklusion zeigen hier erneut, welches Potenzial in der kleinen Ortschaft und ihrer Zukunft liegt.

2. Preis 2015 (5.000 €): 
Projektträger: TT-Förderverein Senioren f. Junioren Geseke e.V.
Projekt: „Alte Sargfabrik wird zur Sporthalle“

Seit fast 70 Jahren wird in der Mittelstadt Geseke im Kreis Soest Tischtennis in vielen Leistungsklassen in einer städtischen Halle gespielt, manch ein prominenter Tischtennis-Spieler trat hier sogar schon bei Turnieren an. Viele Sportvereine in NRW sind jedoch bedroht, weil Städte und Gemeinden kein Geld mehr für die Hallen haben. So auch in Geseke, wo ein Bürgerantrag für den Bau einer neuen Sporthalle scheiterte. Weil die Verhandlungen mit der Stadt über den Neubau einer Sporthalle nichts brachten und weil die Stadt darauf verwies, dass in absehbarer Zeit keine Besserung zu erwarten sei, wurde Wolfgang Schmidt selbst aktiv. Ein Ende dieses Sports, der zu diesem Zeitpunkt von rund 150 Aktiven betrieben wird – das wäre für ihn einfach nicht tragbar gewesen. Damit kann die Jugend nicht mehr sportlich erzogen werden. Mit der Gründung des „Förderverein TT-Förderverein Senioren f. Junioren“ nahm er die Dinge selbst in die Hand. Die Vision – mit dem Förderverein eine Sporthalle schuldenfrei für die nachfolgende Generation zu finanzieren, setzten Schmidt und seine Kollegen folglich kurzum in die Tat um.  

Im Jahr 2013 war es soweit: Durch mühsames Fundraising und ehrenamtliche Hilfe konnte eine Gewerbeimmobilie im Geseker Norden angekauft werden. Diese sollte dann in den kommenden Jahren zu einer Sporthalle umgebaut werden. Im Sommer 2013 startete das ehrenamtliche Projekt mit dem Umbau der ehemaligen Sargfabrik zu einer modernen Sporthalle. Anfang des Jahres 2015 wurden dafür noch 50.000 Euro für den Umbau zur Sporthalle für Toiletten, Duschen, Umkleideräume, Lichtanlage, Heizung, Anstrich etc. benötigt. Diese außergewöhnliche Anstrengung, innerhalb von fünf Jahren eigenständig eine nachhaltige Lösung für die Erhaltung des Sports in Geseke zu finden, zeichnete der WestfalenBeweger 2015 mit dem zweiten Platz aus.

Erfolgreich konnte die Halle im August 2015 eröffnen und bietet seitdem optimale Wettkampf- und Trainingsbedingungen für den Sport. Fortlaufend werden durch den Förderverein TT-Förderverein Senioren f. Junioren die Kinder- und Jugendarbeit und der Spielbetrieb finanziell unterstützt. Durch das unermüdliche Engagement kann der Tischtennis Sport in Geseke erhalten bleiben und wird fortlaufend qualifiziert. Weiter wird im Sinne des subsidiären Gedankens der Hilfe zur Selbsthilfe der nachfolgenden Generation in Zukunft eine schuldenfrei finanzierte Sporthalle übergeben.

3. Preis 2015 (2.000 €):
Projektträger: Interessengemeinschaft Ledde e. V.
Projekt: Bürger helfen Bürgern

„In Zeiten des demografischen Wandels und der leerenöffentlichen Kassen muss das bürgerschaftliche Engagement jedes Einzelnen geweckt und gefördert werden, um ein positives Ergebnis für die Gemeinschaft zu erreichen“. Die Initiative „Bürger helfen Bürgern“ der Interessengemeinschaft Ledde e.V. setzt hier mit einer eigenständigen Organisation und Finanzierung an. Ziel ist es, mit organisierter Nachbarschaftshilfe in Ledde die Attraktivität des Ortes zu erhöhen. Gemeinsam soll der Ort mit den Bürgerinnen und Bürgern so gestaltet werden, dass Menschen gerne in der Ortschaft wohnen.

Die lokale Attraktivität zu erhöhen und so zu gestalten, dass die Menschen gerne in der Ortschaft wohnen, sich junge Menschen für das Leben im ländlichen Raum entscheiden, aber auch ältere Menschen länger in ihren Wohnräumen eigenständig leben können – das macht die Initiative Bürger helfen Bürgern der Interessengemeinschaft Ledde e.V.möglich. Seit 2008 leistet die Initiative fortlaufende Hilfe, in Form von Organisation und dem Bereitstellen von Gerätschaften, um gegenseitige Hilfeleistung unter der Bürgerschaft zu ermöglichen. Gemeinsam konnten so in den vergangenen Jahren zahlreiche kleine und auch größere Projekte in Ledde realisiert werden, die ausschließlich über Sponsorengelder finanziert wurden.

Mit dem Einrichten der Zentrale der sogenannten „Kümmerer“ können beispielsweise kostenfrei und unkompliziert Erledigungen von handwerklichen Tätigkeiten, aber auch Hilfe in anderen alltäglichen Situationen in Anspruch genommen werden. Dazu zählen unter anderem Behördengänge oder die Suche nach entlaufenen Haustieren von den Bürgerinnen und Bürgern. Weiter wurden von der Initiative die Installation von drei Defibrillatorstationen in der Ortschaft angestoßen. Im gleichen Zug wurden auch die Ausbildung von über 200 Ersthelfenden und das Angebot von fortlaufenden Schulungsmaßnahmen zur Erst- und Weiterbildung der Ersten Hilfe initiiert. Die eingewiesenen Helfenden können so bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes nachbarschaftliche Erste-Hilfe leisten. 

Weiter können mit dem Zusammenschluss des Einkaufrings einzelne Aufträge der Einwohnerschaft, aber auch gemeinschaftliche Angelegenheiten mit Dienstleitern aus dem Ort organisiert werden. Der Tauschring bietet darüber hinaus für die Bewohnerinnen und Bewohner in Ledde die Möglichkeit gegenseitige Handwerks- und Dienstleistungen, mittels des eigens eingeführten Zahlungsmittels des Ledde-Talers zu nutzen.

Auch bei der Organisation von Lebensfragen wird den Bürgerinnen und Bürgern beratend zur Seite gestanden. Zu dem Thema „Artgerechter Wohnungsumbau“ arbeitete sich eine Gruppe des Arbeitskreises ein und vermittelt bei Bedarf ihr Wissen. Durch eine fortlaufende Befragung der Bürgerschaft sollen die aktuellen Interessen und Bedürfnisse der Gemeinde festgehalten werden. Gemäß den Erfordernissen und den Wünschen der Bürgerschaft wird die Initiative seitdem fortgesetzt, um das lokale Engagement auch in Zukunft mit neuen Tätigkeitsfeldern zu ergänzen.

Dieses beachtliche bürgerschaftliche Engagement der Initiative Bürger helfen Bürgern wurde 2015 durch den dritten Platz des WestfalenBewegers 2015 ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld wurde konkret die Pflege und Wartung der drei Defibrillator-Stationen, die Installation einer E-Bike-Station, Werbemittel und Maßnahmen sowie Sachzuwendungen für bedürftige Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Kämmerertätigkeit unterstützt. Im Jahr 2017 wurde dieses anhaltende Engagement durch den größten deutschen Ehrenamtspreis, den Deutschen Bürgerpreis, in der Kategorie Alltagshelden mit dem zweiten Platz gewürdigt. Das zeigt einmal mehr, wie stark lokales Engagement auch bundesweit wirkt und einen unersetzlichen Beitrag zu unserer Gesellschaft zu leisten vermag.

3. Preis 2015 (2.000 €):
Projektträger: Jugendkunstschule Unna – Wir sind draußen
Projekt: Wir sind draußen – Kinderkultur in Hellweger Parks

Schulferien sind Urlaubszeit – doch nicht jedes Schulkind kann in den Sommerferien verreisen. Die Bürgerstiftung Unna und die Jugendkunstschule Unna setzen hier mit dem seit 2007 entwickelten Projekt „Wir sind draußen“ an. Jahr für Jahr führen diese für Kinder im Kurpark Königsborn in Unna ein vielfältiges Ferienprogramm durch. Die Möglichkeit zur Entfaltung und Kreativität, aber besonders zur Erholung und Aktivität abseits des Alltags stößt nicht nur bei den Kindern auf Zuspruch.

Die Idee des Projektes ist es Kindern, die nicht in den Urlaub fahren können, eine kreative Woche in Königsborn im Kurpark zu organisieren. Inkludiert sind in der Woche neben dem Mittagsessen, Getränken und Snacks, besonders ein spannendes Programm mit Musik, Theater, Gestaltung, Sport und Bewegung. Wichtig ist auch, dass die Aktionen draußen im öffentlichen Raum stattfinden, so dass die kulturelle Bildungsarbeit für die Bürgerinnen und Bürger sichtbar und transparent wird, die noch wenig über die Arbeit der Jugendkunstschulen wissen. Bis 2015 konnte das Ferienangebot für rund 50 Kinder angeboten und finanziert werden. Aufgrund des großen Zulaufes und Erfolges bewarb sich die Initiative 2015 beim WestfalenBeweger-Wettbewerb. Das Konzept sollte nun auch über den Kurpark hinaus in den Sommerferien in dem Stadtteil Massen angeboten werden.

Durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Sponsoren und Kooperationspartnern sowie dem dritten Platz bei dem WestfalenBeweger-Wettbewerb hatte die Kunstschule die darauffolgenden Jahre die Möglichkeit, alle die mitmachen möchten willkommen zu heißen. So erleben und entdecken besonders die Kinder kulturelle Bildung, denen sonst wenig Förderung in dieser Hinsicht zuteilwird.

Ausschlaggebend für das Votum der Jury für den dritten Platz im Wettbewerb war nach Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, dass „die Bürgerstiftung die Entfaltung von Kreativität und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung der Kinder ermöglicht – ohne darauf zu warten, dass der Staat aktiv wird“. Außerdem handelte es sich um Projekt, das sich gut auf weitere Stadtteile ausweiten lässt. Dieser Ideenaustausch sei der Stiftung Westfalen-Initiative wichtig, denn „bei uns soll man abschreiben und abgucken“, so Sümmermann.

3. Preis 2015 (2.000 €):
Projektträger: Broadwood
Projekt:
Kinder- und Jugendprojekt „Broadwood“ aus Paderborn

Junge Menschen mit Behinderung meistern ihren Alltag oftmals mit vielen zusätzlichen Herausforderungen und Hindernissen. Diese können sich durch zeitintensive Therapien und die Abhängigkeit von diversen Hilfsmitteln äußern, die die Teilhabe im öffentlichen Leben erschweren. Um diesen Menschen eine Stimme zu verleihen, aber auch um sie darin zu bestärken die jeweiligen Herausforderungen in ihrem Leben zu meistern, entstand das Projekt Broadwood in Paderborn. Dieses unterstützt die Betroffenen in vielerlei Hinsicht, beispielsweise mittels größerer und kleinerer Wunscherfüllungen – ein Herzensprojekt, angestoßen von Sabine Höwelkröger und Karin Heindorff.

Der Name des ehrenamtlichen Projektes in Paderborn ist dabei nicht zufällig gewählt – Broadwood setzt sich aus den Wörtern Broadway und Hollywood zusammen. Ein Stück vom Broadway, ein bisschen Glanz aus Hollywood, all das verspricht das Projekt für Betroffene. Doch wie sieht das genau aus? Eine Möglichkeit ist die Wunscherfüllung, bei der für die Wünsche der jungen Menschen mit Handicap fortlaufend Wunscherfüllende gesucht werden. Die Erfüllung der Wünsche sind so vielfältig wie die Wunschäußernden selbst. Beispielsweise konnte der Besuch eines Musicals aber auch ein Treffen mit einem bekannten Fußballspieler erfüllt werden. Zu Grunde liegt allen Wunscherfüllungen, dass durch die gemeinsamen Freizeiterlebnisse den Betroffenen, aber auch Angehörigen Freude geschenkt und das Selbstbewusstsein gestärkt wird.

Zusammen mit den Kooperationspartnern Paderborner Ahorn-Panther e.V., Marktplatz für Bürgerengagement Paderborn, Schlaganfall-Kinder Gruppe und filmzeit medien Bielefeld wurde 2015 von der Initiative die neue Idee gefördert, Teilhabe im öffentlichen Leben für junge Menschen mit Handicap durch einen inklusiven Videoblog zu gestalten. Für diesen führten junge Menschen, mit und ohne Handicap, Videos über die Wunscherfüllungen, Rehaeinrichtungen, aber auch Interviews und Berichte über Menschen, die sich für Betroffene einsetzten. Konkret zeigen so im ersten Videoblog Interviews mit Dr. Michael Brinkmeier von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, wie das Thema publik gemacht werden kann und Aufklärungsarbeit leistet. Weiter wurde im Rahmen einer Wunscherfüllung, die aus dem Besuch der Kinopremiere des Films „Der kleinen Medicus“ bestand, Malte Ankorna zu seiner Rolle in dem Film von vier jungen Menschen mit Handicap befragt. Bekannt und beliebt ist dieser bei vielen Kindern unter anderem durch die Moderation der Sendung „Tigerentenclub“.

Für den ersten Videoblog trafen sich drei beteiligte junge Menschen in der barrierefreien Sprachschule Berlitz in Bielefeld. Mit Unterstützung einer Reporterin und eines Kameramanns von der filmzeit medien Bielefeld betätigten sie sich als Moderatoren und verknüpften die gedrehten Videos miteinander. Daraus entstand ein Videoblog, der auf der Plattform Youtube über www.broadwood.de einsehbar ist.

3. Preis 2015 (2.000 €):
Projetträger: Gesellschaft der Freunde und Förderer festlicher Konzerte in Erwitte
Projekt: 6. Erwitter Kinder- und Jugendchorwettbewerb

Musikalische Begegnung, Austausch, Spannung, Spaß und Freude finden seit 1996 mit dem Erwitter Kinder- und Jugendchorwettbewerb als Großveranstaltung auf dem Erwitter Schlossgelände in Erwitte statt. Seit seiner ersten Durchführung hat sich der Wettbewerb zu einem der erfolgreichsten Musikereignisse der deutschen Chorszene entwickelt. Durchschnittlich nahmen bei den Erwitter Chorwettbewerben in der Vergangenheit so pro Veranstaltung jeweils mehr als 40 Chöre teil. Das waren insgesamt ca. 2000 singende Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet. Im Gegensatz zu vielen anderen Chorwettbewerben verfolgt der Erwitter Kinder- und Jugendchorwettbewerb keine kommerziellen Interessen, alle anfallenden Ausgaben und Arbeiten werden ehrenamtlich bewältigt.

Über 250 freiwillige Helfende und Gastfamilien aus Erwitte und Umgebung ermöglichten am 20. und 21. Juni 2015 mehr als 2000 Kindern und Jugendlichen aus 51 Chören das Zusammentreffen und gemeinsame Singen auf dem Erwitter Schlossgelände. Die Planungen dafür liefen seit 2014 auf Hochtouren. Ehrenamtlich Helfende der Gesellschaft der Freunde und Förderer festlicher Konzerte in Erwitte und der Förderverein der Musikschule Erwitte stemmten die gesamte Organisationsarbeit der Wettbewerbstage, wie beispielsweise die Unterbringungen der Teilnehmenden in Gastfamilien und Turnhallen, Sponsoring, Verpflegung, Technik sowie Betreuung der Chöre und vieles mehr. Bemerkenswert ist, dass die Kosten, die für technische Mittel, Druck- und Werbekosten, aber auch Leihgebühren und Transportmittel für Instrumente nur durch Spenden gedeckt werden.

Gemeinsam zu Grunde liegen allen bislang durchgeführten Erwitter Chorwettbewerben die freundliche Begegnung, der gegenseitige Respekt und die Anerkennung der Leistungen. Dadurch sind zahlreiche Freundschaften unter den Chören, aber auch im privaten Bereich, bundesweit entstanden, die bis heute gepflegt werden. Das Etablieren einer Veranstaltung, die Menschen zusammenbringt und gemeinsam Impulse für den Ort und darüber hinaus gibt, erkannte die Jury des WestfalenBeweger-Wettbewerbs 2015 als herausragendes und zu unterstützendes Projekt an. 

Wie erfolgreich sich das Format 2022 etabliert hat, zeigt die Planung des 8. Wettbewerbs im Jahr 2023 sowie die Würdigung des Wettbewerbs durch den Deutschen Musikrat aufgrund seines Alleinstellungsmerkmals in Deutschland. Auch zukünftig werden die zahlreichen ehrenamtlichen Helfenden, dafür sorgen, dass sich alle teilnehmenden Chöre in Erwitte wohlfühlen und der Erwitter Kinder- und Jugendchorwettbewerb weiterhin ein erfolgreiches Format bleibt.

3. Preis 2015 (2.000 €):
Projektträger: Kreis Gütersloh
Projekt:
Das Erste Hilfe-Programm „Mobile Retter“ aus Gütersloh

In Deutschland erleiden laut dem Rat für Wiederbelebung (GRC) mehr als 70.000 Menschen außerhalb des Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Dabei überleben nur rund 10 Prozent der Betroffenen, da bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes durchschnittlich bis zu 9 Minuten vergehen – wertvolle Minuten nach denen die Wiederbelebungsmaßnahmen oftmals zu spät sind. Diese lebensbedrohlichen Notfälle könnten jedoch oft durch eine flächendeckende medizinische Erstversorgung verhindert werden – das innovative Projekt „Mobile Retter“ in Kreis Gütersloh zeigt wie.

Das Ziel des Projektes ist es im Falle eines lebensbedrohlichen Notfalls die Zeit zwischen dem Absetzen des Notrufes und des Eintreffens des Rettungsdienstes mittels ausgebildeten Ersthelfenden zu überbrücken. Dazu werden qualifizierte Ersthelfer, die sogenannten Mobilen Retter von der Rettungsleitstelle des Kreises Gütersloh über eine Smartphone-App in der unmittelbaren Nähe des Notfallpatienten per GPS geortet und über den Notfall in Kenntnis gesetzt. Häufig befinden sich potenzielle Ersthelfende, wie Krankenpfleger, Rettungskräfte, Ärzte, Rettungsschwimmer oder auch Feuerwehrkräfte unmittelbar privat in der Nähe, haben aber keine Kenntnis über den Notfall des Betroffenen. Mittels Benachrichtigung durch die App, können diese im Notfall schnell und unkompliziert vor dem Rettungsdienst vor Ort sein und bei Verdacht eines Kreislaufstillstandes lebensrettende Sofortmaßnahmen einleiten.

Mittlerweile sind bundesweit über 15.500 registrierte Mobile Retter im Einsatz, die ehrenamtlich Hilfe leisten. Dass durch das Projekt Menschenleben gerettet werden können, zeigt auch die wissenschaftliche Untersuchung von Bernd Strickmann. Dieser ist als ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Gütersloh, Notarzt und Mobiler Retter in seiner Freizeit tätig. Für eine wissenschaftliche Veröffentlichung untersuchte er in einem Fachmagazin 2019 über 886 Reanimationsfälle und stellte fest, dass die Krankenhausentlassungsrate und insbesondere die Lebensqualität doppelt so hoch war bei Betroffenen, die durch die Mobilen Retter vor dem Eintreffen des Notdienstes Erste Hilfe erhielten. 

Das 2015 in Gütersloh gestartete Pilotprojekt der Mobilen Retter erwies sich als vorbildhaftes Beispiel. Mit ein Grund für den Gewinn des dritten Platzes bei dem WestfalenBeweger-Wettbewerb ist, dass sich das Konzept problemlos auf weitere Städte und Kreise ausweiten lässt. So folgten in den kommenden Jahren in Nordrhein-Westfalen, aber auch darüber hinaus viele weitere Städte und Kreise und installierten das System in ihren Leitstellen.

3. Preis 2015 (2.000 €):
Projektträger: Grüne Damen und Herren ambulanter Besuchsdienst der Ev. Pflegedienste im Kirchenkreis Hamm e.V.
Projekt: Stärkung kultureller Angebote für Menschen mit Demenz in der Stadt Hamm

Die Diagnose Demenz stellt das Leben der Betroffenen auf den Kopf und vor große Herausforderungen. In Deutschland sind derzeit schätzungsweise über 1,5 Millionen Menschen von einer demenziellen Erkrankung betroffen. Nach Prognosen wird sich die Zahl der Demenzkranken im Zuge der demographischen Entwicklung bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Nicht nur Betroffene sondern auch Angehörige, die in häuslicher Umgebung an ihre Belastungsgrenzen kommen, dürfen in dieser Situation nicht allein gelassen werden. Aspekten der Inklusion der Betroffenen in die Gesellschaft sowie öffentlicher Teilhabe wird oft keine Beachtung geschenkt. Der Förderverein „Grüne Damen und Herren – Ambulanter Besuchsdienst der evangelischen Pflegedienste im Kirchenkreis Hamm“ zeigt mit dem Projekt „Stärkung kultureller Angebote für Menschen mit Demenz in der Stadt Hamm“, dass das nicht der Fall sein muss.

Der gemeinnützige Verein Grüne Damen und Herren – Ambulanter Besuchsdienst e.V. Hamm betreut seit knapp zwei Jahrzehnten mit über 120 Ehrenamtlichen demenziell veränderte und einsame ältere Menschen. Dafür werden die Ehrenamtlichen bei den Grünen Damen und Herren zu Demenz- und Seniorenbegleitern ausgebildet. Diese stellen mit Hausbesuchen, Beratung, und Fortbildungskursen für pflegende Angehörige sowie Betroffene fortlaufend eine große Unterstützung dar.

Seit dem Jahr 2015 machte es sich der Verein darüber hinaus zur Aufgabe, die kulturelle und soziale Teilhabe von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in Hamm aktiv zu fördern. So erkannte man, dass über Kunst- und Kulturangebote ein Zugang zu den Menschen im Quartier geschaffen werden kann. Der Förderverein betreibt dafür drei Cafés in Hamm. Hier erhalten die Betroffenen durch eine Fachkraft sowie ehrenamtliche Mitarbeiter der Grünen Damen und Herren Betreuung. Neben Kaffee, Kuchen, professioneller Beratung und dem persönlichen Austausch bietet eine Künstlerin hier auch ein speziell ausgerichtetes Kunstangebot für Demenzerkrankte an.

Durch das Angebot können Kompetenzen und geistige Fähigkeiten der demenziell veränderten Menschen wieder aktiviert werden. Weiter kann für die Betroffenen, die aufgrund der Krankheit zunehmende Sprachlosigkeit erleiden, durch die Kunst eine Form gefunden werden zu kommunizieren und ihre Persönlichkeit weiterhin auszudrücken. Um dies anhaltend sichtbar zu machen, werden die Kunstwerke der Teilnehmenden in den Cafés ausgestellt. Diesen bemerkenswerten Einsatz, der den Bedarf an fortlaufenden Fortbildungsmaßnahmen aber auch Kunstmaterial fordert, unterstützte die Stiftung Westfalen-Initiative im Rahmen des WestfalenBewegers mit dem dritten Platz.